Was ist eine Liquidationspräferenz?

Die Liquidationspräferenz ist eine vertragliche Regelung in Beteiligungs- und Investitionsverträgen, die festlegt, wie Erlöse im Falle eines Exits – etwa durch Verkauf, Fusion oder Liquidation eines Unternehmens – zwischen den Anteilseignern verteilt werden.

Sie spielt insbesondere im Venture-Capital-Kontext eine wichtige Rolle und dient dazu, das Risiko von Investor:innen zu reduzieren.

Im Kern bestimmt die Liquidationspräferenz, dass bestimmte Investor:innen (meist Venture-Capital-Geber) im Exit-Fall zuerst ihr investiertes Kapital – teilweise auch zuzüglich einer vereinbarten Rendite – zurückerhalten, bevor andere Gesellschafter:innen (z. B. Gründer:innen oder Mitarbeitende mit Beteiligungen) am Erlös beteiligt werden.

Typische Ausgestaltungsmöglichkeiten sind:

  • 1x Liquidationspräferenz (Non-Participating): Investor:innen erhalten mindestens ihr eingesetztes Kapital zurück
  • Mehrfache Liquidationspräferenz (z. B. 2x, 3x): Rückzahlung eines Vielfachen des investierten Betrags
  • Participating Preferred: Investor:innen erhalten zunächst ihre Präferenz und nehmen anschließend zusätzlich anteilig am verbleibenden Erlös teil

Die Liquidationspräferenz hat folgende Funktionen:

  • Schutz des investierten Kapitals
  • Reduzierung des Investitionsrisikos
  • Verbesserung der Attraktivität von Startup-Investments
  • klare Regelung der Exit-Verteilung

Für Gründer:innen ist die Liquidationspräferenz besonders relevant, da sie im Exit-Szenario erheblichen Einfluss darauf haben kann, wie hoch ihr tatsächlicher Anteil am Verkaufserlös ist.

Vorteile aus Investorensicht:

  • höhere Sicherheit bei risikoreichen Investments
  • priorisierte Rückzahlung im Exit-Fall
  • bessere Risiko-Rendite-Struktur

Aus Gründerperspektive kann die Klausel jedoch auch Nachteile haben:

  • potenzielle Reduzierung des eigenen Exit-Erlöses
  • komplexere Verhandlungen in Finanzierungsrunden
  • mögliche Interessenkonflikte bei niedrigen Exit-Bewertungen

Die genaue Wirkung hängt stark von der konkreten vertraglichen Ausgestaltung ab, weshalb eine sorgfältige Prüfung und Verhandlung dieser Klausel im Rahmen von Finanzierungsrunden entscheidend ist.

Die innoWerft unterstützt Gründer:innen dabei, Investitionsbedingungen zu verstehen, Liquidationspräferenzen richtig einzuordnen und faire, nachhaltige Beteiligungsstrukturen in Finanzierungsrunden zu verhandeln.