Was ist Venture Capital und wie finanziert es das Wachstum von Startups?

Venture Capital, kurz VC, bezeichnet Beteiligungskapital, das Investor:innen oder Venture-Capital-Gesellschaften in junge, innovative Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial investieren.

Im Gegenzug erhalten die Investor:innen Unternehmensanteile. Anders als bei einem klassischen Kredit muss das Kapital nicht regelmäßig zurückgezahlt oder verzinst werden. Dafür beteiligen sich die Kapitalgeber:innen am zukünftigen Erfolg, tragen aber auch das Risiko eines vollständigen Verlusts ihrer Investition.

Venture Capital eignet sich besonders für Startups, die:

  • ein innovatives Produkt oder eine neue Technologie entwickeln
  • einen großen oder stark wachsenden Markt adressieren
  • ein skalierbares Geschäftsmodell verfolgen
  • schnell wachsen möchten
  • für Produktentwicklung und Markteintritt viel Kapital benötigen
  • noch nicht ausreichend profitabel für eine klassische Bankfinanzierung sind

Das investierte Kapital kann beispielsweise eingesetzt werden für:

  • Produkt- und Technologieentwicklung
  • Einstellung neuer Mitarbeiter:innen
  • Aufbau von Marketing und Vertrieb
  • Erschließung neuer Märkte
  • technische Infrastruktur
  • internationale Expansion
  • Übernahmen anderer Unternehmen
  • Verlängerung der finanziellen Runway

Venture-Capital-Finanzierungen können in unterschiedlichen Unternehmensphasen stattfinden:

Finanzierungsphase Typischer Schwerpunkt
Pre-Seed Entwicklung und Validierung einer frühen Geschäftsidee
Seed Produktentwicklung, erste Kund:innen und Markteintritt
Series A Aufbau skalierbarer Vertriebs- und Geschäftsprozesse
Series B starkes Wachstum, Teamaufbau und Marktexpansion
Series C und später internationale Expansion, neue Geschäftsbereiche oder Vorbereitung eines Exits

Venture Capital wird unter anderem bereitgestellt durch:

  • unabhängige Venture-Capital-Fonds
  • Corporate-Venture-Capital-Einheiten
  • öffentliche Beteiligungsgesellschaften
  • Family Offices
  • institutionelle Investor:innen
  • spezialisierte Frühphasen- oder Wachstumsfonds

Neben Kapital bringen Venture-Capital-Investor:innen häufig weitere Ressourcen ein:

  • Erfahrungen mit Wachstum und Skalierung
  • Kontakte zu potenziellen Kund:innen und Partner:innen
  • Zugang zu weiteren Investor:innen
  • Unterstützung bei späteren Finanzierungsrunden
  • Branchen- und Marktkenntnisse
  • strategisches Sparring
  • Erfahrung mit Unternehmensverkäufen oder Börsengängen

Vor einer Investition prüfen Investor:innen das Startup meist im Rahmen einer Due Diligence. Besonders relevant sind dabei:

  • Qualität und Erfahrung des Gründungsteams
  • Größe und Entwicklung des Zielmarkts
  • Relevanz des Kundenproblems
  • Product-Market-Fit oder erste Hinweise darauf
  • Traction und Umsatzentwicklung
  • Skalierbarkeit des Geschäftsmodells
  • Wettbewerb und Differenzierung
  • Unit Economics und Finanzplanung
  • Beteiligungsstruktur
  • mögliche Exit-Perspektiven

Ein vereinfachtes Beispiel:

Kennzahl Betrag
Pre-Money-Bewertung 4 Mio. €
VC-Investition 1 Mio. €
Post-Money-Bewertung 5 Mio. €
Anteil der neuen Investor:innen 20 %

Die Investor:innen investieren in diesem Beispiel eine Million Euro und erhalten dafür 20 Prozent des Unternehmens. Die Anteile der bisherigen Gesellschafter:innen verringern sich entsprechend. Dieser Effekt wird als Verwässerungbezeichnet.

Venture Capital bietet Startups verschiedene Vorteile:

  • Zugang zu größeren Kapitalbeträgen
  • schnelleres Wachstum
  • Verzicht auf feste Kreditrückzahlungen
  • strategische Unterstützung
  • Zugang zu wichtigen Netzwerken
  • höhere Glaubwürdigkeit gegenüber weiteren Partner:innen und Investor:innen

Gleichzeitig entstehen mögliche Herausforderungen:

  • Abgabe von Unternehmensanteilen
  • Mitspracherechte der Investor:innen
  • Verwässerung der Gründer:innenanteile
  • hoher Wachstums- und Renditedruck
  • umfangreiche Informations- und Berichtspflichten
  • unterschiedliche Vorstellungen über Strategie oder Exit
  • steigende Anforderungen an Governance und Finanzplanung

Venture-Capital-Investor:innen verfolgen in der Regel das Ziel, ihre Beteiligung nach mehreren Jahren mit Gewinn zu verkaufen. Mögliche Exit-Formen sind:

  • Verkauf an ein anderes Unternehmen
  • Verkauf an weitere Investor:innen
  • Rückkauf der Anteile
  • Börsengang
  • vollständiger Unternehmensverkauf

Venture Capital unterscheidet sich von anderen Finanzierungsformen:

Venture Capital Bankkredit
Investor:innen erhalten Unternehmensanteile. Die Bank erhält Zinsen und Rückzahlungen.
Keine feste Rückzahlung des investierten Kapitals Regelmäßige Tilgung erforderlich
Hohes Risiko für Investor:innen Häufig Sicherheiten und Bonität erforderlich
Fokus auf starkes Wachstum Fokus auf Rückzahlungsfähigkeit

Auch Business Angels investieren Beteiligungskapital. Sie engagieren sich jedoch häufig früher, investieren meist kleinere Beträge und handeln als einzelne private Investor:innen. Venture-Capital-Gesellschaften verwalten dagegen in der Regel Fonds und investieren größere Summen nach einem festgelegten Investmentansatz.

Venture Capital ist nicht für jedes Startup geeignet. Unternehmen mit begrenztem Wachstumspotenzial, sehr langfristiger Entwicklung oder einem nicht skalierbaren Geschäftsmodell passen häufig weniger gut zu den Renditeerwartungen von VC-Investor:innen. Alternative Finanzierungsformen können beispielsweise Bootstrapping, Fördermittel, Kredite oder strategische Partnerschaften sein.

Ein häufiger Fehler besteht darin, ausschließlich auf die Höhe der Investition oder die Unternehmensbewertung zu achten. Ebenso wichtig sind die Beteiligungsbedingungen, Mitspracherechte, Erwartungen und der strategische Mehrwert der Investor:innen.

Die innoWerft unterstützt Gründer:innen dabei, ihren Kapitalbedarf und ihre Finanzierungsstrategie einzuordnen, relevante Kennzahlen und Unterlagen vorzubereiten und passende Investor:innen anzusprechen. Darüber hinaus begleitet sie Startups bei der Vorbereitung auf Pitch-, Beteiligungs- und Finanzierungsgespräche.